Eine Rezension von testlesen.de

Authentisch, packend und auf berührende Weise persönlich erzählt dieses Buch vom Schicksal eines jungen Mannes in der ehemaligen DDR: Man erlebt die Abitur- und Militärzeit in den frühen Achtzigern so hautnah, als wäre man selbst mittendrin in diesem irrwitzigen System. Um durchzukommen, ist der junge Max zu einer ihm widerstrebenden Härte gegen sich und andere, zu Selbstverleugnung, Opportunismus und einer beinahe schizophrenen Lebensweise gezwungen. Dennoch gleitet dieses Buch niemals ab in anklagende Töne, sondern beschreibt einfach, wie es war: Gruppenzwang und erste Liebe im Landwirtschaftsschulheim, Lehr- und Erntezeit in einer LPG, Brutalität und Mitmenschlichkeit beim Militär, ständiger Drahtseilakt mit der Stasi, kleine Fluchten und demonstrative Aktionen - und immer wieder die Konfrontation mit den Tücken, Macken und Schikanen des real existierenden Sozialismus. 

Trotz der ständigen Angst davor, im Reibungsfeld von Stasi und Militär auf der Strecke zu bleiben und die beruflichen Zukunftspläne abschreiben zu können, trotz körperlicher Strapazen und der Grausamkeit mancher Mitsoldaten und trotz der Angst, von der Stasi in eine Zwangssituation gebracht zu werden, übersteht Max die harten Jahre, ohne seelisch zu zerbrechen. Sensibel beschreibt Frank Ewald, wie sich für Max die Spreu vom Weizen trennt. Es gelingt ihm, seinem inneren Gefühl für Richtig und Falsch treu zu bleiben, reifer und selbstsicherer zu werden. Dabei helfen ihm seine gute Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis, ganz besonders aber seine Gewohnheit, seelische Kraft und inneren Frieden in der Natur zu suchen. 

Dieses Buch lässt die eigene Jugend wieder lebendig werden. Es schildert Menschen und System, ohne zu verurteilen, in all ihrer Widersprüchlichkeit. 

Es gibt viele Gründe, dieses Buch zu lesen. Der Wichtigste: Es ist hervorragend erzählt. 


Birgit Engel, testlesen.de

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Kurt Gahleitner, Psychologe, Salzburg

Manchmal scheint es, als würde man von einer Zeit eingeholt, die doch schon längst vergessen war. Oder aber es kommt das Gefühl, als hätte man alles schon einmal erlebt, vielleicht auch nur geträumt. 
Zunächst hielt ich das in diesem Fall nicht für möglich, denn ich bin in Österreich groß geworden und Ewalds Reise führt in die DDR, beschreibt die Verhältnisse des Landes aus den Augen eines jungen Mannes, ohne auf verzerrende Parodien zurückzugreifen. Das Ergebnis ist ein Bild, in den Farben des Lebens gemalt, von der strahlenden Liebe bis hinein ins Schwarz der Staatssicherheit. Alles unterlegt mit einer besonders feinen Psychologie, die es jedem ermöglicht, sich seiner eigenen Jugend zu erinnern, egal, an welchem Ort er sie erlebt hat.

Hans-Michael Schulze, Berlin

Frank Ewald hat ein Buch geschrieben: “Spreu und Weizen³. Der Debütant ist in der DDR groß geworden, genauer gesagt im Westen der DDR, dem toten Winkel. Hier kam nur her, wer nicht anders konnte. Transitverkehr blieb ausgeschlossen. Endlose Weiten von Getreidefeldern, nur unterbrochen von kleinen Dörfern und Städtchen, an denen sich sogar die DDR-Propaganda die Zähne ausbiß. Noch heute ist es neben Mecklenburg wohl der problembehafteste Landstrich Deutschlands, aber auch unberührt ... verträumt.

Und mit einem Traum beginnt auch Ewalds stark autobiographische Geschichte. Er erzählt vom Aufwachen aus der Unschuld der Kindheit Anfang der 80er Jahre. Mit großen Augen sieht er seine Umwelt an, staunt noch über die Schizophrenie der “Erwachsenen³, so wie sie die Verhältnisse im real existierenden Sozialismus entstehen ließ. Dem Helden Max Steinert begegnen die gebeugten Lehrer, die jungen Mädchen und die noch revoltierenden Mitschüler. Gemeinsam und aneinander “stößt man sich die Hörner ab³.


Doch bald ändert Ewald den Erzählstil, meidet Dialoge und verharrt in der Stellung des Beobachters. Max Steinert wird zur Armee eingezogen, genauer gesagt zur Stasi-Elitetruppe, dem Wachregiment “Feliks E. Dzierzynski³ nach Berlin. Und nun gelingt Ewald das, was über die Heimatklänge eines Altmärkers hinaus geht, auch wenn einem, der diese Zeit aus der gleichen Perspektive erlebt hat, die Authentizität überzeugt hatte. Sensibel wird der Truppen-Alltag beschrieben, der jedoch sofort zur Metapher des DDR-Alltages überhaupt wird. Wirklich fesselnd erzählt, gelingt es Ewald, die Spannung des DDR-Alltages, der nun alles andere als langweilig war, von innen her nachvollziehbar zu machen. Die Armee quasi als Überhöhung einer militarisierten Gesellschaft, um so die Spannung zwischen Freiheit und Unterdrückung anschaulich zu machen. Das geht soweit, dass die Darstellung eines “Max Steinert³ zwar eine Geschichte des gebrochenen Rückgrades ist, aber gerade daraus für den Leser der Gewissenskonflikt erwächst, wie er sich in ähnlicher Situation entscheiden würde...


Für alle die, die den Alltag in der DDR nicht kennenlernen durften, ein Muß,
um das Heute zu begreifen. Für diejenigen, die ihn zu kennen meinen, eine
poetisch-verpackte Erinnerung...

Hans-Michael Schulze

Autor von  "DIE GESCHICHTE DES STAEDTCHENS"
ab Oktober im Buchhandel. Weitere Informationen ...

 

 

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